Kein bock auf den Bock

Hans-Dieter Otto malt kein buntes Bild von der Zukunft seines Gewerbes. Der Mann ist Chef einer der größten Speditionen in Nordhausen. 40 Prozent seiner Belegschaft, sagt er, gehe in den nächsten zehn Jahren in Rente. Und Nachwuchs kommt wenig. Kein Bock auf den Bock, wie der Führerstand eines Lkw genannt wird.

Otto erkannte das Problem früh, gründete deshalb vor sieben Jahren schon mit anderen das Netzwerk Transport, Verkehr, Logistik. "Sicher, wir haben immer noch einen Mangel an Bewerbern, aber Sie müssen es einmal andersherum sehen: Gäbe es das Netzwerk nicht, wären die Zahlen noch schlechter", meint Karsten Froböse, Chef der Arbeitsagentur. Regelmäßig kommen er und die Logistiker derzeit zusammen, um den Höhepunkt des Jahres vorzubereiten: den Berufsaktionstag auf dem Autodrom in Nordhausen. Zum siebten Mal soll er wieder Hunderte anlocken.

"Die vielfältigen beruflichen Betätigungsmöglichkeiten und Entwicklungspotenziale in un-serer Branche praxisnah zu ­präsentieren und erlebbar zu machen, das sind zentrale Ziele der Berufsaktionstage", schildert Marcel Kübler, Marketingleiter beim Berufsbildungszentrum in Nordhausen und Verantwortlicher für die Organisation der Kampagne.

Zum geplanten Mitmach-Programm gehören verschiedene Simulatoren und Geschicklichkeitsübungen, wie ein Reifenwechselwettbewerb. Die Besucher und Gäste können ihre Fähigkeiten beim Be- und Entladen von Lastkraftwagen mit Staplern, beim Lkw-Rangieren sowie beim Bedienen verschiedenster Baugeräte und Maschinen erproben. Darüber hinaus wird über weitere branchenrelevante kaufmännische und technische Berufsbilder informiert. "Hier geht es nicht nur um Lkw-Fahrer", lächelt Kübler. Die längsten Schlangen werden sich aber auch in diesem Jahr wieder vor den Fahrschul-Lkw und Bussen bilden. So sieht es auch Hans-Dieter Otto, der auch Vizepräsident des Bundesverbandes für Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung ist. "Einmal selbst einen tonnenschweren und vollausgestatteten Lkw-Sattelzug oder einen hoch-modernen Linienbus zu fahren, ist für unsere Besucher natürlich die wesentliche Besonderheit und der Höhepunkt unserer Veranstaltung."

Weitere Selbstfahrangebote, spezielle Fahrvorführungen sowie eine Crash-Demonstration runden den praxisorientierten Ansatz der Veranstaltung ab.

Immer wieder habe man aus diesen Aktionen Lehrlinge gewonnen, meint Marcel Kübler. Doch gerade das Image des Kraftfahrers werde nur mühsam besser. Die Stadtwerke haben es da mit sehr geregelten Arbeitszeiten noch einigermaßen leicht, weiß Thorsten Schwarz, Betriebsleiter für den Busverkehr. Doch auch die hiesigen Speditionen haben in modernste Fahrzeuge investiert, führen hauptsächlich in Deutschland und böten ein Gehalt nach Tarif, betont Hans-Dieter Otto. Anreiz für junge Leute könnte sein, dass die Unternehmen die Fahrausbildung zahlen.

Quelle: Thüringer-Allgemeine, Thomas Müller