Konfliktpotenzial Umwelt, Wirtschaft und Rohstoffgewinnung

Die am südlichen Harzrand liegende Region ist überaus reich an oberflächennahen mineralischen Rohstoffen. Neben den bedeutenden Vorkommen von Kies und Sand in der Goldenen Aue sowie Gips und Anhydrit im Bereich des Zechsteinsgürtels, finden sich Hartgesteins-, Ton und Sandsteinlagerstätten in der Region Nordhausen. Insbesondere die Calciumsulfatvorkommen sowie die Sand- und Kiesvorkommen haben überregionale volkswirtschaftliche Bedeutung. Die damit verbundene Rohstoff- und Bauwirtschaft und der für diese Branchen tätige Dienstleistungssektor ist hier seit Jahrzehnten ansässig und wichtiger Bestandteil der heimischen Wirtschaft.

Gerade die besonderen geologischen und lagerstättentechnischen Bedingungen dieser Vorkommen haben eine Vielzahl an geomorphologischen Formen und Ausprägungen zur Folge. Einhergehend mit einer über Jahrhunderte andauernden extensiven Bewirtschaftung der Kulturlandschaft, u.a. auch durch die Rohstoffwirtschaft, in Kombination mit den besonderen klimatischen Bedingungen führt dies zu einer hohen Biodiversität in Gestalt eines kleinräumigen Mosaiks unterschiedlichster Lebensräume. Durch eine Ausweisung von mehr als 35 % der Landkreisfläche als Natur- und Landschaftsschutzflächen ist dem sehr intensiv Rechnung getragen worden.

Eingriffe in Natur- und Landschaft durch die Wirtschaft und insbesondere durch den Rohstoffabbau bergen in der Region ein hohes Konfliktpotential mit dem Naturschutz.

Obwohl die Wirtschaft im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben, aber auch durch eigene Initiative gezeigt hat, dass ihr ein sensibler Umgang mit der Kulturlandschaft sowie die Regeneration der zeitweilig in Anspruch genommenen Flächen gelingt, zum Teil auch zu einer positiven Entwicklung führt, gestaltet sich der Dialog mit dem nicht-amtlichen Naturschutz problematisch. In anderen Bundesländern ist in den letzten Jahren eine weitaus größere Dialogbereitschaft zum beiderseitigen Nutzen zu erkennen gewesen. Es wird deutlich, dass es in der Region auf politischer Ebene nicht gelingt, die unterschiedlichen Interessen und volkswirtschaftlichen Bedürfnisse darzustellen und zu einem von allen Beteiligten akzeptierten Konsens zusammenzufassen. Die deutlich werdende Einseitigkeit der Nutzungsbestimmung führt zu einer ungesunden Ausgrenzung der Wirtschaft zum Schaden der Region. Der VWN war und der neu gegründete NUV ist bemüht das Gewicht der Wirtschaft in diesem Konflikt zu stärken, um ein annäherndes Gleichgewicht herzustellen. Unserer Überzeugung nach, ist eine gesunde Ökologie nachhaltig nur auf Basis einer gesunden Ökonomie zu sichern.

Dr. Tobias Jung

 

Rüsselsee