„Wir dürfen die Politik nicht allein lassen“

Donnerstag, 28. September. 2017

Niels Neu im Interview über die geplante Kooperation mit OB Buchmann

Mancher Unternehmer hätte sicher gern die erfahrene CDU-Frau Inge Klaan als Oberbürgermeisterin gesehen. Was sagen Sie zum Ausgang?

Der Nordthüringer Unternehmerverband ist parteiunabhängig. Deshalb sehe ich keine Hürde, uns nun mit dem parteilosen Oberbürgermeister Kai Buchmann auf die Sacharbeit zu konzentrieren. Ich denke und hoffe, dass er die Wirtschaft als eine starke Säule der Demokratie ansieht.

 

Nicht wenige Nordhäuser wählten ihn, weil sie ihn für unabhängiger halten.

Das Bild, dass die Unternehmer beim Oberbürgermeister auf dem Schoß sitzen und sich Vorteile versprechen, ist nicht richtig. Aus meiner Erfahrung ist es vielmehr so, dass eine Stadt, meist der Oberbürgermeister, an die Unternehmen herantritt und um Unterstützung bittet – sei es bei der Altstadtsanierung, beim Rolandsfest oder beim Erhalt des Theaters.

 

Wie erklärt sich dann der Eindruck, da passiere viel mehr hinter den Kulissen?

Wirtschaft, Politik und Verwaltung müssen natürlich verzahnt sein, um gemeinsam etwas für eine Region zu erreichen. Aber ich denke, wir alle müssen noch transparenter zeigen, was da eigentlich läuft.

 

Kai Buchmann hat Ansiedlungen im Industriegebiet ganz oben auf seine Agenda gesetzt. Das sollte Sie freuen.

So ist es. Wir sind seit Jahren in gutem Kontakt mit der Landesentwicklungsgesellschaft. Dem neuen Stadtoberhaupt können wir unsere Verbindungen nach Erfurt, aber auch zu Industrieverbänden anbieten.

 

Was erwarten Sie von ihm?

Dass die Rathausspitze schnell wieder handlungsfähig ist. Ich habe im TA-Interview herausgehört, dass er eine bürgernahe Verwaltung möchte. Das bedeutet sicher auch, eine effiziente. Ich glaube sogar, seine parteiliche Unabhängigkeit kommt ihm zugute, wenn er die Bürokratie abbauen möchte. Weiter erwarte ich, dass der Stadtrat hinter ihm steht und nichts blockiert. Es gab ja genügend Signale in diese positive Richtung. Und als drittes muss er den Haushalt in Ordnung bringen, um jede Steuererhöhung zu vermeiden, ja, sogar wieder Steuern senken zu können, wie Harztor.

 

Und dafür bekommt er von der Wirtschaft welche konkrete Hilfe?

Der erste Schritt ist schon nächste Woche. Wir haben selbst eine fünfstellige Summe in die Hand genommen, um unsere Region auf der Expo Real in München präsentieren zu können (siehe Infokasten). Außerdem prüfen wir derzeit, ob wir als Unternehmerverband einen Fonds einrichten, mit dem wir Projekte in der Stadt und von Vereinen unterstützen können, ähnlich dem der Sparkassenstiftung und hoffentlich genauso professionell. Und wir können konkret helfen, Ansiedlungen von Unternehmen zu unterstützen.

Wenn die Bundestagswahl am Wochenende eines gezeigt hat, dann, dass wir die Politik nicht allein lassen dürfen mit der Aufgabe, wieder einen gesellschaftlichen Konsens herzustellen. Alle müssen dazu beitragen, auch die Wirtschaft, die sich zuweilen zurücknimmt und die Politiker machen lässt. Ich nehme mich da nicht aus. Wir müssen auch wieder an Schulen gehen und erklären, welche Rolle das Unternehmertum in einem Land wie unserem spielt.

 

Das Ergebnis resultiert auch daraus, dass die Menschen oft das Gefühl haben, Politik und Wirtschaft hüteten ihr Herrschaftswissen.

Ich kenne diese Kritik. Der Eindruck darf nicht entstehen. Eines wird deutlich, und Kai Buchmann hat sich das deshalb auch vorgenommen: Die Vorgänge müssen künftig wesentlich transparenter werden.

 

Quelle: Thüringer Allgemeine vom 27.09.2017

Niels Neu (rechts) ist unermüdlich im Einsatz, um Wirtschaft und Politik zu verzahnen. Sein Ziel: die Region voranzubringen. Hier bei einem Gespräch mit Politikern im Urbacher Unternehmen Henning Bau. Foto: Marco Kneise

Niels Neu (rechts) ist unermüdlich im Einsatz, um Wirtschaft und Politik zu verzahnen. Sein Ziel: die Region voranzubringen. Hier bei einem Gespräch mit Politikern im Urbacher Unternehmen Henning Bau. Foto: Marco Kneise